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            Die Übung

Zen kannst Du nicht intellektuell erfahren, sondern nur mit Deinem Körper.

Za-Zen ist das Sitzen in Zen; man sitzt auf einem Sitzkissen, so daß die Kniee im vollen Lotussitz auf den Boden gepresst werden. Das Kreuz ist durchgedrückt, die Hände liegen vor dem Bauch. Man sitzt wie ein Fels, unerschütterlich, wie der Fujiyama...Man sinkt im Boden ein, sozusagen...

Zur Sitzhaltung: Anzustreben ist der volle Lotussitz, weil der einfach durch seine stabile Sitzposition rasch den Geist beruhigt und die Wachsamkeit fördert. Ein halbwegs sportlicher Mitteleuropäer kann das in einigen Wochen lernen. Allerdings gibt es natürlich Menschen, die aus vielerlei Gründen das nicht können, sei es wegen des Alters, einer Krankheit oder einfach aus Ungelenkigkeit. Das ist nicht schlimm, es gibt den halben Lotussitz und den viertel Lotussitz und mehrere leichtere Varianten, wie die burmesische Sitzhaltung, den japanischen Fersensitz, Sitzen auf einem Bänkchen, das die Beine entlastet oder zuletzt das Sitzen auf einem Stuhl. Man sollte meiner Meinung nach aber nicht zu früh aufgeben und sich dadurch auch an Schmerzen gewöhnen. Allerdings ist es wichtig, relativ bequem zu sitzen- zu große Schmerzen stören anfangs die Konzentration.

Man übt an einem ruhigen, sauberen Ort, der diesem Bemühen angemessen ist. Der Übende ist voll konzentriert, ohne angespannt zu ein. Es sollte etwas halbdunkel sein und kühl, und man übt am besten vor dem Essen.

Der Blick geht etwa schräg einen halben Meter vor mir auf den Boden, man fixiert einen imaginären Punkt. Die Augen sind halb geschlossen ( so trocknen sie nicht aus und brennen dann ), also nicht ganz offen oder ganz geschlossen- das begünstigst die Schläfrigkeit. Man sitzt wie ein Tiger vor dem Sprung, dabei gelassen wie ein Berg, die Zungenspitze drückt leicht gegen den Gaumen, kurz hinter den Vorderzähnen- das stoppt den vermehrten Speichelfluß. Die volle Aufmerksamkeit ist auf das Hara gerichtet, also etwa eine Handbreit unterhalb des Nabels.

Beim Sitzen mit einem Koan werden die Augen geschlossen, so erreicht man eine tiefere Versenkung. Es gibt neun Stufen des Bewußtseins, wobei die neunte das Satori ist.

Es geht nicht darum, die ständig vorhandenen Gedanken loszuwerden, sondern man lässt sie ohne Bewertung einfach durchziehen- wie die Wolken am Himmel. Dadurch leert sich der Geist. Und man lässt los von allen eingeübten Vorstellungen und Ideen. Diese Vorstellungen hindern uns, die Wirklichkeit zu erkennen.

Ist der Geist- der sonst ständig in Bewegung ist- zu Beginn des Sitzens noch wie ein aufgewühlter, wilder See, weil tagsüber viele positive und vor allem negative Eindrücke auf uns einstürmten, so legt sich langsam der Sturm...Am Schluß ist der See spiegelglatt und ruhig. Er widerspiegelt nur die Objekte, die sich ihm zeigen, ohne sie zu bewerten. Es herrschen absolute Ruhe und Harmonie in mir. Da ist nichts mehr als Stille...Ein plötzliches Geräusch, wie ein lauter Knall, das mich sonst zusammenzucken lässt, berührt mich in diesem Zustand überhaupt nicht mehr: Ich erschrecke nicht mal...Dies nehme ich mit in die weiterführende Übung: Meinen Alltag, wenn ich vom Sitzkissen aufstehe. Dort übe ich so weiter...Achtsam sein...

Als Schwert, um diesen Gedanken-Strom abzuschneiden, benützt der Anfänger das Zählen von 1- 10. Dabei muß man die jeweilige Zahl genau, plastisch vor sich sehen und darf nicht den Faden verlieren. Man zählt so die ein- und ausgehenden Atemzüge. Dann beginnt man wieder von vorne. Kommt man aus der Konzentration: Nicht ärgern, sondern gelassen von vorne beginnen.

Es gibt hier noch einige Varianten: Man zählt nur die ausgehenden Atemzüge. Oder man zählt nur die eingehenden Atemzüge.

Dann betrachtet man heiter-gelassen den Atem, das Ein- und das Ausatmen, den Fluß des Atems. Das ist schon schwieriger, weil sich unser Geist an nichts mehr anklammern kann und nichts mehr zum Festhalten findet.

                  

Das Schwierigste und die Krönng aber ist Shikantaza, nur Sitzen...

Hier sitzt man in der Überzeugung, daß man das Buddha-Wesen bereits besitzt und diese Tatsache irgendwann auch erkennt.

Wie lange muß man denn üben? Na, bis zum Tod- und am besten täglich...

Dabei gibt es zwei Richtungen. Rinzai-Zen bedient sich der sog. Koans,das sind Zen-Sprüche oder Geschichten, die den Verstand aufbrechen und zur Erleuchtung führen sollen.

Soto-Zen dagegen nach Meister DOGEN ist das Sitzen im Bewußtsein, daß dies die Vergegenwärtigung des Eigenen Wahren Wesens ist; gleichzeitig glaubt man unerschütterlich, daß man eines Tages dieses Wahre Wesen schauend erkennen wird. Dies ist dann Erleuchtung oder Satori. Dabei darf man aber nicht danach streben- sonst rückt es in weite Ferne.

Nur geduldiges Üben bringt uns weiter auf dem Weg-

und "  Mushotoku ", eine Geisteshaltung, gelassen und ohne Streben nach Gewinn...

Die praktischen Auswirkungen dieser Übung spürt man sehr bald: Man wird innerlich ruhig, frei, gelassen und schläft nachts gut. Das Leben wird einfacher, aber dadurch reicher. Das Immunsystem wird gestärkt und die psychische Befindlichkeit.

Doch buddhistisches Zen beinhaltet noch einen sehr wichtigen Aspekt: Man strebt nicht nach Erleuchtung, um aus dem Daseins-Kreislauf auszusteigen und ins Nirwana einzugehen. Nein, man strebt nach Erleuchtung, um dann wissend und sehend allen leidenden Wesen helfen zu können. Das ist wahrhaft buddhistisches Zen.

Unten: Bis heute ( Anfang Dezember 2011) habe ich so rund 3167 Stunden auf dem Zafu ( Sitzkissen ) verbracht- und in dieser Zeit zumindest niemand anderem geschadet...Seit 1982 übe ich täglich mind. 15- 20 Minuten, seit Oktober 2011 mind. 25- 90 Minuten in oft zwei bis drei Sitzperioden.  

                   

Dieses konsequente Üben verändert unmerklich den Schüler: Es entwickeln sich Demut und Toleranz, außerdem wird die aktive und auch passive Geduld stark gefordert und gefördert. Aktiv beim Üben, wenn Schmerzen in den Beinen anfangs plagen...Zweifel am eigenen Tun kommen...Und man gegen Widerstände aller Art diesen harten Weg weitergeht.

Passive Geduld im Ertragen von Anfeindungen, Neid, Haß und Mißgunst stellt sich ebenfalls ein- denn wenn es kein " Ich " gibt, wer wird dann beleidigt oder angefeindet?

Und langsam stellt sich " Absichtslosigkeit " ein- man kennt kein Streben mehr nach Ruhm, Macht oder Anerkennung- man wird absichtslos, " Mushotoku..." Einzelheiten über diese Geisteshaltung findest Du hier... 

Der Zen-Übende soll den Zustand von Wasser erreichen: Anpassungsfähig an die Veränderungen, die das Leben täglich uns neu vorsetzt. Bei Widerständen weich wie ein starker Fluß, der ausweicht und einen Bogen macht um den harten Fels der Gebirgskette...Manchmal hart wie Eis- wenn es denn einmal notwendig ist...Und dann wieder fröhlich wie ein junger Gebirgsbach, frisch und klar schlängelt er sich durch die Blumenwiese...Gerade freue ich mich auf mein Frühstück... 

Und man wird kein " Heiliger..." Und will es auch nicht werden, weil man mitten im Leben steht und es auch genießt- aber mit Maßen und in voller Verantwortung für sich selbst und dem Anspruch, anderen wenigstens nicht zu schaden- kann man ihnen schon nicht helfen.

Zen ist also nichts Besonderes..." It`s so simple..." pflegte Meister Chang immer zu sagen- dabei ist es anfangs sehr schwer, diesen Weg zu gehen... 

Bilder: Der Verfasser dieser Website

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